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Bildungswerk der ver.di in Bayern e.V. Schwanthalerstraße 64, 80336 München Tel.:089/59977-3005, Fax 089/59977-3099 www.verdi-bw-bayern.de www.verdi-bildungswerke.de Das Bildungswerk der ver.di in Bayern e.V. ist zertifiziert nach dem BQM

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2009-06-03

Die Neuordnung der Berufsausbildung in der Geoinformationstechnologie


Es wird geschätzt, dass circa 80 % aller Entscheidungen im öffentlichen und privaten Bereich einen räumlichen Bezug haben. Jeder nutzt regelmäßig Geoinformationen, oftmals ohne sich darüber im Klaren zu sein. Geoinformation als Wirtschaftsgut und das dazugehörende Umfeld befindet sich als Zukunftstechnologie in einem rasanten Wandel. Kennzeichen dafür sind die wachsenden Bedürfnisse und Anforderungen nach raumbezogenen Daten sowie die raschen Veränderungen in der Geoinformations-technologie.
Mit der Neueinrichtung eines Ausbildungsberufs in der Geomatik soll in diesem zukunfts-fähigen Bereich, in dem auch in Deutschland derzeit neue Arbeitplätze entstehen, der Tatsache Rechnung getragen werden, dass in diesem Hochtechnologiebereich neben dem Bedarf an Hochschulabsolventen auch ein wachsender Bedarf an Mitarbeitern mit einer Qualifikation in einem entsprechenden anerkannten Ausbildungsberuf besteht.

Die Interpretation und Verknüpfung von Geoinformationen mit Daten unterschiedlichster Herkunft hat in vielen Lebensbereichen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Wir sehen die Notwendigkeit einer Neueinrichtung eines Ausbildungsberufs in der Geomatik, die sich aus den stattgefundenen Veränderungsprozessen der Geodatenbearbeitung und des Einsatzes der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie ergibt. Mit der Neueinrichtung dieses Ausbildungsberufs werden zusätzliche Ausbildungspotentiale erschlossen und ein Beitrag zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze in benachbarten Berufsbereichen geleistet.
Der offizielle Startschuss für die Erarbeitung der neuen Ausbildungsordnung wurde am 30. Januar 2009 mit dem sogenannten Antragsgespräch im Ministerium für Wirtschaft und Technologie gegeben.
Es wird in Zukunft zwei Berufe geben, den Geomatiker und den Vermessungstechniker.
Für die Neuordnung der Berufsausbildung Geomatiker/in stehen die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV), der Deutsche Gesellschaft für Kartographie e.V. (DGfK) und der Verband Kartographischer Verlage in Deutschland e.V. (VKViDe.V), sowie die Deutsche Gesellschaft für Photo-grammetrie, Fernerkundung und Geoinformation e.V. (DGPF) und als Sozialpartner die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vertreten durch Lothar Zindel und die Mitglieder der ver.di - Abstimmungsgruppe , Michael Frischkorn, Hartmut Loewenthal, Karlheiz Schulthes und Michael Sennholz (siehe Bild).  

Bei dem Beruf des Geomatikers wird einerseits die umfassende Neuausrichtung der Ausbildungsinhalte unterstützt, andererseits aber den Ausbildungsbetrieben durch die konsequente Prozessorientierung ermöglicht die betrieblichen Schwerpunkte zu berücksichtigen.

Die Novellierung des Berufes Vermessungstechniker/in findet auf ausdrücklichen Wunsch  des Kuratoriums der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB) statt und zwar auf Initiative des Bundes der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BdVI), den Bayrischen Vermessungsingenieure und der Energiewirtschaft (RWE Power). Der novellierte Beruf des Vermessungstechnikers ermöglicht  eine moderne, flexible, zukunftsgerichtete prozessorientierte Ausbildung die auch den Beruf des Bergvermes-sungstechnikers mit abdeckt. Bei dieser Ausbildung ist es möglich bei allen Auszubilden-den einheitlich sowohl in der Zwischenprüfung als auch im theoretischen Teil der Abschlussprüfung der Umgang mit Geodaten abzuprüfen. Im praktischen Teil im sogenannten  „Betrieblichen Auftrag“ kann die praktische Anwendung der Prozesskette von der Datenaufnahme bis zur Datenvisualisierung ausbildungsstättenspezifisch nachgewiesen werden.  

Berufsbeschreibung          

Der Geomatiker/die Geomatikerin  beherrscht den Umgang mit raumbezogenen Daten (Geodaten). Hierzu gehören insbesondere:

  • die Datenerhebung und -beschaffung
  • die Dateninterpretation
  • die Datenmodellierung
  • die Datenspeicherung
  • die Datenverarbeitung
  • die Datenpräsentation
  • das Datenmanagement im Geoinformationssystemen (GIS)
  • die Geodateninfrastrukturen (GDI)
  • die Datenbereitstellung und das Marketing

Die Geobasisdaten der Vermessungs- und Katasterverwaltungen, ebenso wie die Geofachdaten anderer amtlicher und privater Stellen, bilden wichtige Grundlagen dieser Geodaten.
Die Abschlussprüfung dieser 3 jährigen Ausbildung bildet alle profilgebenden Elemente des Qualifikationskataloges ab. Hieraus ergibt sich die Prüfungsstruktur. Sie ermittelt die Aufgabenstellung für die Prüfungsfächer und definiert die Bearbeitung eines Projekt-auftrages, dessen Ergebnisse dem Prüfungs­ausschuss vorzutragen sind und dessen Ergebnissen mit dem Auszubildenden in einem Fachgespräch erörtert werden müssen.

Der Katalog der Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten beinhaltet unter anderem folgende Inhalte:

Ø   Berufsbezogene Rechts- und Verwaltungsvorschriften
Ø   Naturwissenschaftliche und mathematische Grundlagen von Raumbezug-
    systemen in der Geomatik
Ø   Informations- und Kommunikationssysteme allgemeiner und fachlicher Art
    (Beherrschung der Informations- und Kommunikationssysteme in der
    fachlichen Aufgabenerledigung, z.B. geographische Informationssysteme)
Ø   Geodatenmanagement (Oberbegriff für Gesamtprozess und Reflektion der
    einzelnen Teilprozesse)

  • Datenerhebung
  • Datenbeschaffung / -zusammenführung
  • Interpretation (Werten) der Datenmodellierung
  • Präsentation
  • Bereitstellung (online und analog)
  • Datenintegration und -verknüpfung zur Erzielung von Mehrwerten
  • Marketing (Bepreisung, Verkauf, Produktinformation, Kundenorientierung)

Ø   Auftragsabwicklung (z.B. interne und externe Nutzer, Rechte,
    Abwicklungsprozesse, Qualitätskontrolle, Rechnungswesen..)   

Um das Ausbildungsniveau zu beschreiben und eine Vergleichbarkeit zwischen den Ausbildungsbetrieben herzustellen, ist die Festlegung auf verbindliche Eckwerte und Schlüsselqualifikationen sowie vergleichbare Mindeststandards definiert worden. Durch eine solche prozessorientierte, ganzheitliche Ausbildung, die auf das Verstehen der Abläufe abzielt, sollen die zukünftigen Geomatiker in die Lage versetzt werden, flexibel auf technische und methodische Fortentwicklungen der Geoinformationen zu reagieren und neue Herausforderungen in der Datenlandschaft anzunehmen, aber auch in den Randbereichen der bisherigen Berufe erfolgreich zu sein.  

Wir danken dem Koll. Hartmut Loewenthal von der Bundesfachkommission Vermessung und Kartographie für die Unterlagen die als Basis für diesen Text verwendet wurden.

www.geo.verdi.de

(wpe)

 

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