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Bildungswerk der ver.di in Bayern e.V. Schwanthalerstraße 64, 80336 München Tel.:089/59977-3005, Fax 089/59977-3099 www.verdi-bw-bayern.de www.verdi-bildungswerke.de Das Bildungswerk der ver.di in Bayern e.V. ist zertifiziert nach dem BQM

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Ist Leiharbeit ein Zukunftsmodell oder nur eine politisch untermauerte Gemeinheit, um aktuelle Beschäftigungs-Probleme statistisch harmloser erscheinen zu lassen?

 

Schon seit Jahren war es klar, dass Leih-Arbeitnehmer als Flexibilisierungsreserve der Wirtschaft eingesetzt und sehr oft missbraucht werden, wounter wesentlich schlechteren Arbeitsbedingungen im Vergleich zu Stamm-Mitarbeitern

- bezüglich Einkommensregelungen- mit zeitbefristeten Verträgen- ohne Anspruch an ein Unternehmen wegen langdauernder Beschäftigung (z. B. Betriebsrente)

- ohne Entwicklungsperspektive in irgendeinem Unternehmen- bei privatem Mehraufwand und Risiko für Fahrten zu den verschiedenen Einsatzortengearbeitet werden muss,nur, weil die Gewinnmarge des Arbeitnehmer-Verleihers, die vom

- Entleiher bezahlt werden muss, möglichst hoch und darum die Personalkosten-Anteile des Entleihers möglichst gering sein sollen.Dabei ist es besonders empörend, dass es die Politik nicht nur abgesegnet, sondern auch durch gesetzliche Verschlechterungen (Arbeitsförderungsgesetz) manifestiert hat, dass

- Leih-Arbeitnehmer regelrecht ungleich behandelt werden, weil ihr Einkommen bei exakt gleicher Tätigkeit dem sehr viel schlechteren Tarif für Arbeitnehmer-Verleiher als dem des Entleih-Unternehmens unterliegt.

- Ansprücheaus langdauernder Beschäftigung dadurch entfallen sind, dass es u. a. durch das Arbeitsförderungsgesetz auch nicht mehr das Verbot von Kettenverträgen gibt. Es reicht für das verleihende Unternehmen eine „Schamfrist“ von nur noch einem Tag beim gleichen Entleih-Unternehmen zwischen den zeitbefristeten Beschäftigungs-Abschnitten, - auch eine früher gute gesetzliche Regelung entfallen ist, z. B. Tarifentgelt nach einem halben Jahr der Beschäftigung bzw. feste Übernahme nach einem Jahr der Beschäftigung beim Entleih-Unternehmen unter dessen tariflichen Bedingungen Pflicht war.

 

Daraus ergeben sich Gesellschafts- und Sozialversicherungs-Probleme der Zukunft, die heute von der verantwortlichen Politik völlig verdrängt werden:

- Weniger Durchschnittseinkommen der Leih-Arbeitnehmer generieren geringere Rentenansprüche für die Zukunft,die dann von den nachfolgenden Generationen „aufgefangen“ werden müssen, weil die selbst erworbene Rente nicht reicht.

-Unter dem Strich stellt sich die Gier nach Maximalgewinnen der Verleih- als auch Entleih-Unternehmen gleichermaßen (weil angeblich alle Unternehmen im globalisieten Wettstreit bestehen müssen) so dar, dass beim Betrachten nur wirtschaftlicher Zahlen und Kriterien- unter Missachtung auch nur der allerkleinsten sozialen Bedingungen und Verantwortungen durch die Unternehmer (z. B. durch Betriebszugehörigkeit oder Beschäftigungsdauer gebildete Anwartschaften auf Betriebsrente)

- und indirekte Einschränkung der Arbeitnehmer-Rechte durch den Gesetzgeber (z. B. auch kürzere Kündigungsfristen wegen Kurzzeit-Beschäftigungen beim Verleih-Unternehmen statt längerer Beschäftigung incl. nur versprochener Weiterbildung in Zeiten, in denen keine Vertmittlung zu einem Entleiher besteht), als ob es eine Zweiklassen-Gesellschaft in der Arbeitnehmerschaft geben müsse:- Die bessser Situierten, das sind die Stamm-Mitarbeiter- und die materiell und sozial schlechter dastehenden Leih-Arbeitnehmer, die Schulter an Schulter die genau diegleiche Arbeit tun wie ihre „Stamm“- Kollegen.

ABER WAS IST DIE KONSEQUENZ, INSBESONDERE DER BETROFFENEN ?

Statt sich zu organisieren, meinen die meisten, jeder für sich selbst alles regeln und in seinem Interesse beeinflussen zu können. („Die Gewerkschaften geben ja keinen Rückhalt“ ist die Grundmeinung, obwohl es die Allerwenigsten versucht haben, ihr gutes Recht über die Gewerkschaft ihres Vertrauens zu erreichen). Nein, im Gegensatz dazu kommt das zwar oberflächlich betrachtete, aber scheinbar naheliegende Argument, der Betroffene könne seinen Mitgliedsbeitrag in der Gewerkschaft sparen, weil er so wenig Einkommen habe... und man fürchtet das Risiko, Nachteile erleiden zu müssen, wenn man als gewerkschaftlich Interessierter oder gar Organisierter erkannt werde.....

Es ist eine abstruse Angst, die dem demokratischen Gedanken und dem Grundgesetz (Koalitionsfreiheit) zuwider läuft....und wie groß müssen die Nachteile denn überhaupt noch werden, wo man doch schon so viele Nachteile einsteckt? Das ist wie beim chaotischen, Panik verbreitenden  Schiffsuntergang: Wenn das Schiff sinkt, werden die Rettungseinrichtungen zuerst über Bord geworfen, weil man glaubt, dass das Schiff dann etwas leichter wird und etwas länger schwimmt... anstatt das unausweichlich bittere Ende sehen zu wollen und sich dem Problem rechtzeitig zu stellen durch z. B. Solidarisierung und Eintritt in die Gewerkschaft seines Vertrauens.

(ubo)

 

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