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Bildungswerk der ver.di in Bayern e.V. Schwanthalerstraße 64, 80336 München Tel.:089/59977-3005, Fax 089/59977-3099 www.verdi-bw-bayern.de www.verdi-bildungswerke.de Das Bildungswerk der ver.di in Bayern e.V. ist zertifiziert nach dem BQM

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EQF -  European Qualification Framework

 

Das deutsche duale Berufsbildungssystem steht für einen Ausbildungsprozess der auf einer umfassenden, ganzheitlichen Berufsqualifikation nach beruflichen Standards der Branche und nach aktuellen Anforderungen des Handwerks und der Industrie ausgerichtet ist. Bei der Festlegung der Kenntnisse und Fertigkeiten einer zeitgemäßen Berufsausbildung bestimmen die Sozialpartner (Gewerkschaften und Fachverbände der Wirtschaft) gemeinsam mit. Unser deutsches ganzheitliches Berufsprinzip kann nicht in Einzeltätigkeiten aufgeteilt sondern nur arbeits- oder prozessbezogen erlernt werden.

 

Europäisierung und Vereinheitlichung der Beruflichen Bildung und die Auswirkungen auf unser deutsches Berufsbildungssystem.

Eine arbeitsmarktverwertbare Berufsausbildung/Berufsbefähigung soll die größtmögliche Gewähr für die Auszubildenden und die qualifizierten Fachkräfte bieten und auf lange Sicht zukunftsfeste Beschäftigung  sichern. Diese schafft auch die Grundlage für die bestmögliche soziale Sicherheit dieser Fachkräfte - siehe auch Berufsbildungsgesetz (BBiG). Der Beruf ist auch heute noch ein wichtiger gesellschaftlicher, aber auch ein individueller Orientierungspunkt (Berufsidentifikation, Berufsstolz).
 

Der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF)
soll künftig europaweit fachliche Kompetenzen unabhängig von Art und Ort Ihres Erwerbs transparent machen, um Arbeitgebern und Behörden in den Mitgliedstaaten in die Lage zu versetzen, die unterschiedlichen europäischen Berufsausbildungssysteme zu vergleichen und einzuordnen. Dazu sind folgende Funktionen und Bedingungen notwendig:

 

 

  •       Transparenz - Funktion
    Europäische Qualifikationen mit den unterschiedlichen Fähigkeitsnachweisen der beteiligten europäischen Länder transparent und inhaltlich sowie wertmäßig vergleichbar machen
  •       Transfer - Funktion
    Erworbene Lernergebnisse von einem in ein anderes Bildungssystem übertragbar und damit auch anrechenbar machen
  •       Akkumulations - Funktion
    Zu beliebigen Zeitpunkten und an unterschiedlichen Orten erworbene und zertifizierte Qualifikationsbausteine sammeln und zu einem individuellen Fähigkeitsprofil zusammenzufügen.
  •       Zusätzliche Definitionen des EQF
    8 Niveaustufen die durch Deskriptoren beschrieben werden. Die persönliche Zuordnung der Einzelnen zu diesen Niveaustufen erfolgt durch anerkannte private Zertifizierungseinrichtungen. Dabei sollen die erreichten Lernergebnisse und erworbenen Kompetenzen (outcome - Orientierung) durch ein Punktesystem ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) bewertet werden. Dieses dient auch zur Sammlung und Übertragung von Leistungspunkten aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie aus der Hochschulausbildung.
  •       Kreditpunktesystem (ECVET)
    Um eine Überdeckung mit möglichst vielen auf nationaler Ebene etablierten Bewertungsverfahren zu erreichen, können in die Definition der ECVET - Niveaus ganz verschiedene Bewertungskriterien eingehen wie:
  • die Dauer einer Ausbildung,
  • die Art einer Ausbildung,
  • die Ziele und/oder Ergebnisse einer Ausbildung,
  • die erforderlichen Kompetenzen, um bestimmte Tätigkeiten ausüben zu können,
  • die Position einer Qualifikation in der Berufshierarchie und
  • die Einordnung von bestehenden Niveaus aufgrund von Entsprechungsnachweisen für bessere Transparenz und Vergleichbarkeit

Die Verschiedenheit der Bewertungskriterien ist im Endeffekt ein fauler Kompromiss weil man sich auf konkrete Kriterien nicht einigen konnte. Das führt dazu, dass gleiche Berufsqualifikationen auf ganz unterschiedlichen Niveaus eingeordnet werden können.

 

Bei der Entwicklung des EQF stand die Forderung der europäischen und internationalen kapitalistischen Wirtschaft nach Erhöhung des Flexibilitätspotenzials der Arbeitnehmer im Vordergrund. Eine Just-in-time-Verfügbarkeit von quantitativen und qualitativen Arbeitskraftressourcen soll dadurch entstehen. Es werden angeblich keine breit und gut ausgebildeten Spezialisten mehr benötigt, sondern Menschen die ausschließlich für ihre jeweilige Tätigkeit ausgebildet sind und sich ständig dem rasch wechselnden Bedarf der Wirtschaft anpassen müssen.
Wer allerdings die ständig notwendige Anpassung der beruflichen Kompetenzen zu bezahlen hat sowie wann, wie und wo diese stattfinden soll, ist bis jetzt nicht geklärt. Beschäftigte mit nicht mehr marktgerechter Qualifikation können in Zukunft noch leichter in die Arbeitslosigkeit "entsorgt" werden.

Die Möglichkeit des Arbeitnehmers eine Ausbildung entsprechend seiner Fähigkeiten und Neigungen zu absolvieren und anschließend mit dem erlernten Beruf langfristig seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wird durch solche Vorgaben unmöglich.

Die notwendige nationale Umsetzung
des EQF auf das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem erfordert die Einführung eines Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) der zurzeit unter Mitwirkung von gesellschaftlich relevanten Gruppen entwickelt wird. Das macht aber eine umfangreiche Anpassung des derzeitigen deutschen Berufs- und Ausbildungssystems notwendig.

Die Anwendung von EQF und ECVET  zum Zweck des Transfers von Lernergebnissen und zur Akkumulation zwingt zur:

  • Individualisierung der Bildungswege durch Modularisierung der bisherigen Berufsausbildungen
  • Fragmentierung der Ausbildungsinhalte in einzelne zertifizierbare Teilqualifikationen, die über das ganze Berufsleben akkumuliert werden können (lebensbegleitendes Lernen)
  • Outcome Orientierung und damit zur Aufgabe der öffentlichen Verantwortung für einheitliche berufliche Ausbildungen, da nur noch die durch individuelle Lernprozesse erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen im Fokus stehen
  • Kompetenz Orientierung bei der nur die nachgewiesene und zertifizierte individuelle Fähigkeit bewertet werden

Viele europäische Staaten haben die Berufsausbildung auf Kosten der Qualität und Lerninhalte nur im geringen Maße verbindlich geregelt (z.B. England). Das bedeutet, dass die erreichbare Kompetenz einer Ausbildung in diesen Ländern zwar schlechter ist, aber große Flexibilitätsspielräume möglich sind wenn es um die Adaptierung der europäischen Standards geht. Kurze untereinander mischbare Lern- und Ausbildungsmodule schaffen dabei beliebig kombinierbare Aus- und Weiterbildungsgänge die sich gut an den europäischen Qualifizierungs- und Bewertungsrahmen anschließen lassen.

Das deutsche duale Ausbildungssystem dagegen ist zwar bestens geeignet hohe Qualität und Kompetenz durch umfassende Regelungsdichte (Berufsbilder und Prüfungsordnungen) herzustellen. Es führt aber wegen der mangelnden inneren Differenzierung der Eingangs- und Übergangsvoraussetzungen sowie der beruflichen Abschlüsse zu Adaptionsproblemen mit dem europäischen Verfahren. Durch die monolithischen Ausbildungsgänge und das formell einheitliche Niveau der Berufsabschlüsse bleibt das duale Ausbildungssystem, wegen der Unmöglichkeit einer Zertifizierung einzelner Module, dem EQF verschlossen.

Der geforderte Transfer von Lernergebnissen und die gewünschte Akkumulation von Wissen und Kompetenzen zwingen zur Individualisierung der Bildungswege durch Modularisierung der Ausbildungen. Die Fragmentierung der Ausbildungsinhalte in einzelne zertifizierte Teilqualifikationen, müssen über das gesamte Berufsleben akkumuliert, ggf. erneuert und zertifiziert werden (lebensbegleitendes Lernen).

Zusammenfassung
Durch die Einführung des EQF in seiner aktuellen Form wird die deutsche duale Ausbildung den Wirtschaftlichkeitsgründen langfristig geopfert. Das wird auch der deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) auf Dauer nicht verhindern. Das duale Ausbildungs­system ist entsprechend anzupassen. Dadurch wird die hohe Qualität und Kompetenz der einheitlichen deutschen Berufsausbildung aufgegeben.

Die tatsächlichen Auswirkungen der Umsetzung des EQF im deutschen Berufsbildungssystem werden von den Befürwortern scheinbar unterschätzt und teilweise heruntergespielt. Einige wenige positive Aspekte dienen als Argumente für die Einführung. Diese wären, wenn man es wollte, ohne Probleme auch im bisherigen Berufsausbildungssystem umzusetzen.

 

Eine Übersicht der zu erwartenden Nachteile finden sie in nachfolgender Tabelle.

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Quellennachweis und Internetadressen

Die Anforderungen des Beschäftigungssystems im Rahmen des Deutschen Qualifikationsrahmens (NQR), VDMA -Infoblatt:    
http://www.vdma.org/wps/wcm/resources/file/eba6f805131af8b/positionspapier%20DQR%20
 Februar%202008.pdf

Stellungnahme der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft zur Arbeitsunterlage der EU-Kommission „Auf dem Weg zu einem europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (vom 08.07.2005)“:
http://www.kwb-berufsbildung.de/pdf/2005_EQF_Stellungnahme.pdf

ECVET - “European Credit System for Vocational Education and Training”
http://de.wikipedia.org/wiki/ECVET

Das Duale System und Europa - Konstruktion, Funktionen und mögliche Folgen von EQF und ECVET
http://www.gew-hamburg.de/Binaries/Binary1020/Drexel%201.pdf

Kommentar zum BBIG
h
ttp://www.bibb.de/dokumente/pdf/a1_bwp_04_2005_kommentar.pdf

(wpe)

 
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