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Verleihung von Diplomabschlüssen auch in Masterstudiengängen


Um die Möglichkeit der Verleihung von Diplomabschlüssen nach Masterstudiengängen ist ein Streit zwischen dem Deutschen Hochschulverband (DHV) und dem Akkreditierungsrat entbrannt. Der Akkreditierungsrat, der eine qualitätsgeprüfte Lehr- und Prüfungserlaubnis für Studiengänge erteilt, hatte in der vergangenen Woche (am 08.06.2011), für die meisten Fachleute völlig unverständlich, beschlossen, Studiengänge, die sowohl einen Master- wie auch einen Diplomgrad verleihen, in Zukunft nicht mehr zu begutachten und bestehenden Studiengängen die Akkreditierung zu entziehen.
Das trifft insbesondere Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern, die erst kürzlich das Diplom wieder eingeführt hatten. Nach der Bologna-Reform sind europaweit nur noch Bachelor- und Masterabschlüsse zugelassen. Bernhard Kempen, Präsident des DHV, hält die Entscheidung für „bizarr und grotesk". Es gebe keinen vernünftigen Grund, die Vergabe von Diplomen zu untersagen, zumal diese etwa in Österreich weiter verliehen werden. Kempen forderte die Abschaffung des Akkreditierungsrats. Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, dagegen lobte die Entscheidung des Rates als „klare Absage an eine Umetikettierung von Studienabschlüssen". Für Studierende sei das „eine gefährliche Zeitbombe", weil es damit Probleme bei der Aufnahme in den öffentlichen Dienst geben könnte.
Quelle: Financial Times Deutschland 17.06.2011/S 15

Der Deutsche Hochschulverband fordert dagegen ein Ende des Akkreditierungszirkus und stellt sich gegen die Entscheidung des Akkreditierungsrats optional die Vergabe eines Bachelor- oder Mastergrades und eines Diplomgrades nicht mehr zuzulassen.
"Für die Qualität eines Studienganges bürgt die Universität mit ihrem Ruf, nicht der Akkreditierungsrat mit seinen Voten."

Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbandes: http://www.hochschulverband.de/cms1/pressemitteilung+M550a686e3dc.html

 

Anmerkung der AIN-Redaktion:

Da die Verleihung von Diplomabschlüssen ausschließlich nach entsprechenden Masterstudiengängen geplant war, also beide Abschlüsse immer gleichzeitig verliehen werden, ist die Argumentation mit Umetikettierung von Studienabschlüssen oder Problemen bei der Aufnahme in den öffentlichen Dienst nicht stichhaltig.
Es ist eher zu vermuten und zu befürchten, es solle die Umstellung der Studiengänge infolge der europäischen Vereinheitlichung von Studienabschlüssen (Bolognaprozess) damit rückgängig gemacht werden. Was aus Sicht der Wissenschaft und der Hochschulen ein Vorteil, ist aber aus der Sicht der Akkreditierungsagenturen (hoher Verlust von Einahmen aus dem Akkreditierungsgeschäft) und der Großindustrie (Verlust von Einfluss auf Studieninhalte und damit auch auf Billigabschlüsse) von Nachteil. Und wer wenig bezahlt bekommt, besitzt nur wenig Kompetenz. Für die Politik zählen in diesem Zusammenhang nur die Kosten von Studienabschlüssen, - je kürzer umso billiger.      

Deshalb sollten die Studiengänge nicht nur am Bedarf der Industrie ausgerichtet sein, sondern an  einer lebenslangen Beschäftigung von Ingenieuren und deren geforderten Kompetenzen. Die Probleme für den öffentlichen Dienst liegen langfristig in einer gewollten Kostensenkung und die ist am einfachsten zu erzielen, wenn die Beschäftigten möglichst wenig kosten. Die Bachelorabsolventen werden heute deutlich niedriger (Besoldungsgruppe A8) bezahlt als die früheren Diplom-Ingenieure mit FH-Abschluss (Besoldungsgruppe A10). Das sind in Zahlen ca. 400 € pro Monat. 
Damit aber dem Öffentlichen Dienst auch in Zukunft bei wachsenden Anforderungen entsprechend qualifiziertes Personal zu Verfügung steht,  muss entsprechend teureres Personal  (Master/Dipl.Ing.) eingestellt werden.

Wir sehen, dass es dem Akkreditierungsrat hier nicht um die Sicherstellung hochwertiger Studienabschlüsse geht, sondern eher um die Wahrung seines Einflusses und die Interessen der Beteiligten.

Hinweis:

Die Vertreter der Berufspraxis im Akkreditierungsrat sind:

  • Ernst Baumann, ehemalig Mitglied des Vorstands BMW AG
  • Petra Gerstenkorn, Mitglied des ver.di Bundesvorstandes
  • Dr. Regina Görner, Mitglied des IG Metall Vorstand
  • Ministerialdirigent Hans-Christian Vollmer, Ministerium für Inneres, Sport und Integration des Landes Niedersachsen
  • Thomas Sattelberger, Vorstand Personal Deutsche Telekom AG

Infos vom Akkreditierungsrat
http://www.akkreditierungsrat.de/index.php?id=18):

Pressemitteilung Akkreditierungsrat
http://www.akkreditierungsrat.de/fileadmin/Seiteninhalte/Veroeffentlichungen/Mitteilungen/2011-3.pdf

(chum / wper)

 
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